Die neue EMV-Richtlinie 2014/30/EU

By | März 6, 2015

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Mit 20. April 2016 wird die neue Richtlinie der europäischen Union für Elektromagnetische Verträglichkeit 2014/30/EU wirksam. Gleichzeitig wird die Richtlinie 2004/108/EG unwirksam. Einerseits gewinnt das Thema elektromagnetische Verträglichkeit von elektronischen Produkten und Anlagen aufgrund ihrer zunehmenden Verbreitung und Durchdringung im täglichen Leben der Menschen enorm an Bedeutung und andererseits machten die Erfahrungen der Vergangenheit mit der bestehenden Richtlinie 2004/108/EG doch Korrekturen notwendig. Diesen Tatsachen trägt die neue Richtlinie Rechnung und bringt schon einiges an Neuerungen. In den folgenden Absätzen stelle ich die aus meiner Sicht wichtigsten und relevanten Änderungen für Hersteller, Einführer und Händler dar. Ich gehe nicht auf die Neuerungen im Bereich der Notifizierung ein.

Abgrenzung der Gültigkeit der Informationen:  Die in den folgenden Kapiteln dargestellten Informationen sind persönlich erarbeitet von Brunner Manfred. Fehlinterpretationen, Irrtümer, Änderungen bleiben vorbehalten. Letztlich gelten die Inhalte der Richtlinie 2014/30/EU als einzig gültig. Weiters wird davon ausgegangen, dass dem Leser die Inhalte der 2004/108/EG bekannt sind.

Wirtschaftsakteure

Die Richtlinie definiert Wirtschaftsakteure im Zusammenhang mit der Entwicklung und Vertrieb von elektronischen Geräten. Diese sind.

  • Hersteller
  • Bevollmächtigte
  • Einführer (Importeur)
  • Händler

Die Pflichten der einzelnen Wirtschaftsakteure sind in der Richtlinie im Kapitel 2 geregelt und zeigen eine wesentliche Erweiterung gegenüber der Richtlinie 2004/108/EG. Abhängig von Ihrer Rolle in der Produktvermarktung haben sie unterschiedliche Pflichten. Und die Rolle ist nicht unternehmensabhängig, sondern rein produktabhängig. Das heißt ein Unternehmen ist Hersteller, Einführer oder Händler abhängig davon, in welcher Arte er in den Wirtschaftskreislauf des einzelnen Produktes ist. Das Unternehmen kann er für das eine Produkt als Hersteller gelten, für das andere aber nur Händler sein.

Pflichten der Hersteller

electronics equipment assembly workplaceHersteller verantworten die Konformität der in Verkehr gebrachten Geräte durch

  • erstellen die technischen Unterlagen zur Konformitätsbewertung
  • ausstellen der CE-Konformitätserklärung
  • aufbewahren die Erklärung und die technischen Unterlagen 10 Jahre nach Inverkehrbringen des Produktes
  • gewährleisten, dass die Konformität bei Serienproduktion gewahrt bleibt
  • gewährleisten, dass Geräte identifizierbar sind (z.B. Typenbezeichnung, Chargennummer, Seriennummer)
  • mitliefern ihren Namen, den Handelsnamen, oder Handelsmarke samt Postanschrift auf dem Gerät, der Verpackung oder der Anleitung.
  • Gewährleisten, dass Bedienungsanleitungen in der definierten Sprache des Mitgliedslandes dem Produkt beigefügt sind.
  • sind verpflichtet den Behörden zu melden, wenn die Annahme besteht, dass ein von Ihnen in Verkehr gebrachtes Produkt nicht den Anforderungen der Richtlinie entspricht.
  • stellen der nationalen Behörde auf Verlangen alle Unterlagen zur Verfügung, die für den Nachweis der Konformität notwendig sind.
  • kooperieren mit Behörden zur Abwendung von Risiken

Bevollmächtigte

Ein Hersteller kann einen Bevollmächtigten beauftragen, welcher für ihn

  • die CE-Konformitätserklärung und die technischen Unterlagen für die Marktüberwachung bereithält
  • Auf Verlangen der Behörde die Unterlagen zum Nachweis der Konformität eines Produktes diese aushändigt
  • Kooperiert mit Behörden zur Abwendung von Risiken

HINWEIS: Der Hersteller kann aber nicht die Nachweisführung der Konformität (z.B. Erstellung der technischen Unterlagen usw.) auf den Bevollmächtigten abwälzen.

Pflichten der Einführer

Einführer (Importeure) sind Unternehmen, die von Geräten aus Drittländer (Länder die nicht zur europäischen Union gehören) einkaufen und innerhalb des europäischen Wirtschaftsraumes in Verkehr bringen. Dabei ist es unerheblich, ob die Geräte neu oder gebraucht sind.

HINWEIS: Nach meiner Interpretation der Richtlinie gilt der Tag des Imports als Maßgabe, welcher Richtlinie das Gerät unterliegt. Der Tag seiner Herstellung ist irrelevant!

Einführer

  • bringen nur konforme Geräte in Verkehr
  • gewährleisten, dass der Hersteller das Konformitätsbewertungsverfahren durchgeführt hat
  • gewährleisten, dass der Hersteller die notwendigen technischen Unterlagen erstellt hat
  • gewährleisten, dass das Gerät die ordnungsgemäße CE-Kennzeichnung besitzt
  • gewährleisten, dass die CE-Konformitätserklärung vom Hersteller vorliegt
  • bewahren die Erklärung und die technischen Unterlagen 10 Jahre nach Inverkehrbringen des Produktes auf
  • sorgen dafür, dass das Gerät während der Lagerung und Transport in ihrem Verantwortungsbereich nicht beeinträchtigt wird.
  • liefern ihren Namen, den Handelsnamen, oder Handelsmarke samt Postanschrift auf dem Gerät, der Verpackung oder der Anleitung mit.
  • gewährleisten, dass Bedienungsanleitungen in der definierten Sprache des Mitgliedslandes dem Produkt beigefügt sind.
  • sind verpflichtet den Behörden zu melden, wenn die Annahme besteht, dass ein von Ihnen in Verkehr gebrachtes Produkt nicht den Anforderungen der Richtlinie entspricht.
  • stellen der nationalen Behörde auf Verlangen alle Unterlagen zur Verfügung, die für den Nachweis der Konformität notwendig sind.
  • kooperieren mit Behörden zur Abwendung von Risiken

Pflichten Der Händler

Im Gegensatz zur 2004/108/EG werden nun auch Händler mit ins Boot geholt. Auch sie haben in der Gewährleistung der Schutzziele der Richtlinie Pflichten zu erfüllen.

Händler

  • berücksichtigen die Anforderungen der Richtlinie mit der entsprechenden Sorgfalt
  • prüfen, ob CE Kennzeichnung ordnungsgemäß gemacht ist
  • prüfen, ob geforderte Unterlagen in ordnungsgemäßer Ausführung mitgeliefert werden (Anleitungen,…)
  • sorgen dafür, dass das Gerät währen der Lagerung und Transport in ihrem Verantwortungsbereich nicht beeinträchtigt wird.
  • sind verpflichtet den Behörden zu melden, wenn die Annahme besteht, dass ein von Ihnen in Verkehr gebrachtes Produkt nicht den Anforderungen der Richtlinie entspricht.
  • stellen der nationalen Behörde auf Verlangen alle Unterlagen zur Verfügung, die für den Nachweis der Konformität notwendig sind.
  • kooperieren mit Behörden zur Abwendung von Risiken

ACHTUNG: Einführer und Händler können auch zu Herstellern werden. Und zwar dann, wenn Sie ein Gerät unter eigenem Namen (oder Handelsmarke) vertreiben oder ein Gerät so verändern, dass die Konformität zur Richtlinie beeinträchtigt werden kann).

Konformitätsbewertung

HINWEIS: Die Möglichkeit der Konformitätsbewertung nach EU-Baumusterprüfung (siehe Anhang III, Teil A der Richtlinie) wird hier nicht weiter behandelt, da Sie im Umfeld von mittelständischen Unternehmen eher selten gemacht wird.

Interne Fertigungskontrolle

Laboratory of research microelectronicsMit der internen Fertigungskontrolle erbringt der Hersteller den Nachweis der Konformität des Gerätes zur Norm. Er erklärt auf eigene Verantwortung, dass das Gerät den Anforderungen der Richtlinie genügt.

Folgende technische Unterlagen sind zu erarbeiten:

  • Allgemeine Beschreibung des Gerätes
  • Entwürfe-, Pläne und Fertigungszeichnungen
  • Beschreibungen und Erklärungen zu den zuvor genannten Plänen
  • Risikoanalyse und Risikobewertung
  • Aufstellung der angewandten harmonisierten Normen und Hinweise welche Normenteile verwendet, bzw. nicht verwendet wurden.
  • Ergebnisse der Konstruktionsberechnungen
  • Prüfprotokolle und Prüfberichte mit dem Ergebnis der Prüfung.

Diese Unterlagen sind 10 Jahre ab Inverkehrbringen des Gerätes aufzubewahren. Sie sind Teil der Konformitätserklärung und auf Verlangen den zuständigen Behörden auszuhändigen.

Gegenüber der Richtlinie 2004/108/EG sind die

  • Fertigungsdaten (Entwürfe, Pläne, Fertigungszeichnungen)
  • Konstruktionsberechnungen
  • Risikoanalyse und Risikobewertung

gelistet. Diese Dokumente sind in der der bestehenden Richtlinie nicht erwähnt und müssen in Zukunft mit erarbeitet und als Teil der Konformitätsbewertung mit archiviert werden.

CE-Kennzeichnung

Der Hersteller bringt auf jedem Gerät die CE-Kennzeichnung auf. Ist das aufgrund der Bauart nicht möglich, muss die Kennzeichnung auf der Verpackung oder der mitgelieferten Anleitung erfolgen.

CE- Konformitätserklärung

Bulle : CEDie CE – Konformitätserklärung ist vom Hersteller auszustellen und hat nach 2014/30/EU folgendes zu beinhalten..

  • Gerätetyp (Produkt,- Typenbezeichnung,- Chargennummer oder Seriennummer)
  • Name und Anschrift des Herstellers
  • Gegenstand der Erklärung – eventuell Bild des Produktes, Gerätebeschreibung
  • Liste der erfüllten Harmonisierungsrechtsvorschriften (Richtlinien der EU)
  • Liste der harmonisierten Normen, die zum Nachweis der Konformität herangezogen wurden
  • Gegebenenfalls die notifizierte Stelle (Name, Nummer) und deren Leistung / Bescheinigung
  • Ort und Datum der Ausstellung
  • Name und Funktion des Unterzeichners
  • Unterschrift

HINWEIS: Nach Absatz (18) der Gründe ist es zur Erleichterung der Kommunikation zwischen Wirtschaftsakteuren angebracht auch die Adresse der herstellereigenen Webseite mit aufzunehmen. Dies gilt generell für Adressangaben im Zuge der Konformitätsbewertung.

Unterliegt ein Produkt mehreren CE-Richtlinien, so sind alle in einer Konformitätserklärung zusammenzufassen. Die zusätzlichen Dokumente zum Nachweis der Konformität sollten in einer einzigen Akte abgelegt sein. Auch ist es Denkbar in der Akte mehre einzelne Konformitätserklärungen abzulegen. Damit soll der Verwaltungsaufwand für die Wirtschaftsakteure (Hersteller, Einführer, Händler) minimiert werden.

Ortsfeste Anlagen

sind beispielsweise große Maschinen, Heizungsanlagen, Smart Home Anlagen, Zutrittssysteme usw.

Strom und  Datenkabel © Matthias BuehnerIn ortsfeste Anlagen ist der Einbau von Geräten möglich, die keiner Konformitätsbewertung im Sinne der Richtlinie unterzogen worden sind und sofern diese sonst im Markt nicht frei erhältlich sind. Dies ist auch schon in der Richtlinie 2004/108/EG möglich. Jetzt wurden für solche Anlagen aber die Dokumentationspflichten erweitert:

  • In diesem Fall sind der Anlage Unterlagen beizufügen, die die elektromagnetische Verträglichkeit angeben, und Auskunft darüber geben, welche Vorkehrungen getroffen wurden, beim Einbau des Geräts in die Anlage getroffen wurden damit die Konformität zur Richtlinie nicht beeinträchtigt wird.
  • Im Anhang I Ziffer zwei ist angeführt, dass die anerkannten Regeln der Technik einzuhalten sind. Und diese sind lt. Artikel 19 auch zu dokumentieren.
  • Die Unterlagen sind von den Verantwortlichen solange aufzubewahren und der Behörde auf Anfrage zur Verfügung zu stellen, solange die ortsfeste Anlage in Betrieb ist.

Es ist praktisch gesehen mit dieser erweiterten Dokumentationspflicht Geräte einzubauen die nicht vorher auf Konformität geprüft wurden. Hier die Errichter Maßnahmen dokumentieren zu lassen, die einer Anlage Konformität bescheinigt in der die einzelnen Geräte nicht geprüft sind halte ich für praktisch unmöglich. Ich will niemanden zu Nahe trete, aber für 95% der Errichter wird das wohl gelten.

Die Errichter von Ortsfesten Anlagen setzen also CE-konforme Geräte ein, Montieren und Verkabeln entsprechend der Vorgaben der Hersteller und den allgemein üblichen und anerkannten Vorschriften und Regeln der Technik und dokumentieren das. Dann ist man weitgehend auf der sicheren Seite.

Bestehende Geräte

Produkte die vor dem 20.April 2016 konform zur Richtlinie 2004/108/EG in Verkehr gebracht wurden, dürfen darüber hinaus weiter in den Markt geliefert werden.

Sanktionen

In Artikel 42 werden nun auch Sanktionen Bei Verstöße gegen die Richtlinie genannt. Sie sind von den Mitgliedsstaaten festzulegen und sollen wirksam, verhältnismäßig und abschreckend sein.

Es ist ein offenes Geheimnis, dass im Markt viele Produkte platziert sind die nur halbherzig oder auch gar nicht eine Konformitätsbewertung unterzogen wurden. Diese Missstände scheint man jetzt intensiver bekämpfen zu wollen.

Insbesondere bei Import-Produkten kommt das vor.

Link zu den Richtlinien

Zusammenfassung

Die Neumädchen bein studierene Richtlinie 2014/30/EU bringt aus rein technischer Sicht kaum Neuerungen. Die dahinterliegenden harmonisierten Normen sind im Wesentlichen unverändert. Die Pflichten hinsichtlich, Prüfung, Warnung, Organisation und Dokumentation sind erheblich erweitert und vor allem die explizite Erwähnung der Rechte und Pflichten der Hersteller, Importeure, aber vor allem die Einbeziehung der Händler, zeigt, dass das Thema EMV wesentlich wichtiger wird und mehr in den Fokus der Marktaufsichten rücken wird. Damit wird es ein Muss für jedes Unternehmen, welches mit Elektronik arbeitet, und sei es nur als Händler, sich mit den Schutzzielen der Richtlinie auseinander zu setzen und die Dokumentationsstrukturen im Unternehmen entsprechend anzupassen.Banner_MBeconsulting_750_90

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