Digitalisierung – Irgendwie funktioniert unser Geschäft nicht mehr?

Bildquelle: www.pixabay.com

Irgendwie funktioniert unser Geschäft nicht mehr so? Ich hab das Gefühl da fehlt was, da eckt was, es braucht immer mehr Energie um Erfolg zu haben. Das denken sich sicher immer mehr Unternehmen der „Old Economy“. Sie geraten immer mehr unter Druck. Die verschiedenen neu gedachten Wege des Verkaufs der New-Economy treiben die alten Dinosaurier vor sich her. Sie müssen sich schön langsam aber sicher auch anpassen, weil Kunden und Partner eine bestimmte Art der Produktkommunikation, der Produktausformung und des Produktverkauf als selbstverständlich sehen. Die Zeit wird immer knapper und der Aufholbedarf steigt mit jedem Monat. Nur ein Beispiel: Wenn man früher eine Waschmaschine gebraucht hat ging man zum Elektrohändler, hat diese gekauft, aufgestellt, fertig. Man konnte seine Wäsche waschen.

Dann erkannten die großen Handelsunternehmen, dass die Investition in eine Waschmaschine für viele Familien doch eine erhebliche monetäre Belastung darstellt. Das Geschäftsmodell wurde adaptiert und die Möglichkeiten der Ratenzahlung in verschiedensten Varianten ausgereizt. Das hat den kleinen Händlern massiv zugesetzt und die Auslagen vieler Kleinhändler, die sich da nicht anpassen konnten,  verschwanden von den beschaulichen Markplätzen in Stadt und Land.

Und jetzt stelle man sich folgendes vor: Die Waschmaschine bekomme ich“geschenkt“. Nur die Leistung ist zu bezahlen. Einmal waschen ist gleich 0,50 EUR. Das macht der Hersteller im Direktvertrieb. Er organisiert die Lieferung zu mir mit einem Servicetechniker, welcher die Maschine in Betrieb nimmt. Die Waschmaschine wird mit dem WLAN-verbunden und immer wenn gewaschen wird, meldet das die Maschine ins Portal des Herstellers. Ich bezahle pro Waschvorgang. Auf meinem Smartphone sehe ich wann die Maschine gestartet hat und wann sie fertig sein wird. Ich sehe auch wie oft ich diese Monat schon gewaschen habe und was ich zu bezahlen habe. Der Hersteller errechnet aus den Daten wo ich optimieren könnte um die Kosten zu senken indem ich beispielsweise die Waschzyklen ändere usw.

Kann das funktionieren?




Ich weiss es nicht, ob es auch mit Waschmaschinen funktioniert. Auf jeden Fall haben wir ähnliches im Mobilfunk schon gesehen. Dort hat man Milliarden gescheffelt. Ich bekomme mein SmartPhone geschenkt und zahle für die Nutzung. Tatsache ist aber, dass es grundsätzlich technisch keine Hürden mehr für solche Geschäftsmodelle gibt und Tatsache ist auch, dass in vielen Bereichen, von der Automobibauern bis zu den Herstellern von Industrieanlagen über solche Modelle nachgedacht wird. Kommen diese Modelle in Schwung hat das erhebliche Konsequenzen für die Wirtschaft und die Gesellschaft. Beispielsweise kann man folgendes betrachten:

  • Wie verdienen die Handelsbetriebe in Zukunft ihr Geld?
  • Was bedeutet das für Waschsalons?
  • Die Technik der Waschmaschine wird auf Zuverlässigkeit getrimmt werden, man will ja möglichst lange damit Geld verdienen (Heute will man möglichst viele Maschinen mit geringen Kosteneinsatz verkaufen!) -> Was bedeutet das für die Produktentwicklung?
  • Der Vertrieb der Hersteller verkauft keine Geräte mehr, sondern Nutzungsverträge
  • Die Hersteller können eine Vielzahl an Daten erheben und neue Geschäftsmodelle darauf aufbauen: vorausschauende Wartungen, Produktverbesserung, Produktempfehlungen, Marketing für fremde Produkte usw.
  • Die Kunden haben keine Investitionskosten, sie können das beste Gerät auswählen und praktisch auch kostenlos testen
  • Die Waschmaschine könnte auch direkt Waschmittel bestellen -> Wie reagieren die Waschmittelhersteller darauf
  • usw.

Die fortschreitende Digitalisierung lässt solche Gedankenspiele jetzt einmal zu. Ob sich diese technisch umsetzen lassen steht ausser Frage. Das ist definitiv nicht mehr die Hürde. Es geht ausschließlich nur mehr um das Geschäftsmodell, welches es erlaubt tatsächlich Erfolg im Markt mit diesen Denkweisen zu haben.

Es braucht Geschäftsmodellinnovationen. Und genau daran scheitern heute noch viele. Es war schon immer so, aber in Zukunft wird es noch wichtiger, dass sich Unternehmen ihres eigenen Geschäftsmodells bewusst sind und dass sie dieses weiterentwickeln, anpassen bzw. sogar neue Geschäftsmodelle finden. Dafür braucht man Zeit, Methode und auch Werkzeuge. Das innovative Produkt alleine ist alles andere als Garant für unternehmerischen Erfolg. Clayten Christensen sagte: „The History of Innovation is littered with companies that had a disruptive technology within their grasp but failed to commercialize it succsessfully because they did not couple it with a disruptive business model“ (Christensen et al. 2009)

Fraunhofer hat das Musikformat MP3 enwickelt. Sie verdienen heute einen zweistelligen Millionenbetrag mit Lizenzgebühren. Apple hat mit der MP3-Technologie einen zeistelligen Millliardenbetrag bereits nach 3 Jahren erreicht! Da kann einem Fraunhofer schon ein wenig leid tun. (Quelle: Geschäftsmodelle entwickeln: 55 innovative Konzepte mit dem St. Galler Business Navigator)

Sich dem Thema Geschäftsmodellentwicklung mal zu widmen ist wirklich bereichernd. Es bringt schon nach kurzem Nachdenken einen neue Sichtweise auf seine eigene Position in den Wertschöprungsketten und zeigt Möglichkeiten auf sich den Kunden auf neuen Wegen zu nähern. Ziel muss es aber sein, Geschäftsmodellentwicklung als unabdingbare Methode im Unternehmen zu verankern. Das ist genau so wichtig wie die Produktentwicklung! Das richtige Geschäftsmodell gehört in Zukunft zum richtigen Produkt. Nur wenn sich Produkt und Geschäftsmodell zusammen für eine definierte Kundengruppe ein echtes Wertversprechen liefern, wird man erfolgreich sein. Produkt und Geschäftsmodell sind nicht mehr trennbar . Dies in den Unternehmensorganisationen als unabdingbar zu verankern braucht völlig neue Denkweisen und ist ein komplexes Change-Projekt. Werkzeuge gibt es dafür, wie z.B:

Und wenn man dafür externe Sichtweisen oder Moderationen braucht, können auch wir helfen!




Schreibe einen Kommentar