Industrie 4.0 – elektromagnetische Belastungen für Arbeitnehmer





Montage von Platinen // Installation in HiTech factoryIndustrie 4.0 ist das derzeit moderne Schlagwort der produzierenden Unternehmen. Jeder der etwas auf sich hält, ist in Kremien, Arbeitsgruppen zur Erarbeitung der Inhalte, um zu zeigen, dass man seine Produktion innovativ hält und verwendet es als Marketingaussage, wenngleich in vielen Unternehmen bis heute wenig passiert. Hinter Industrie 4.0 versteckt sich neben einer ganz neuen Denkweise der Fertigung und Logisitk von Gütern auch eine unglaubliche technische Aufrüstung der Produktionsanlagen. Alles wird datentechnisch vernetzt. Maschinen, Anlagen und Lagerbereich werden in nie dagewesener Art und Weise miteinander kommunizieren müssen, um den Anforderungen dieser Produktionsphilisophie der Losgröße 1 gerecht zu werden. Oft wird dabei der Mensch gar nicht mehr mitreden, sondern die Maschinen reden eigenständig und „verhandeln“ sich selbst die nächsten Tätigkeiten ohne Eingriff des Menschen. Eine Unmenge an Sensorik wird notwendig werden, die Ihre Daten als Basis der Steuerungs- und Regelsystemen zur Verfügung stellen. Die Daten werden dabei drahtgebunden aber auch über Funk ausgetauscht:

  • Funksysteme sind beispielsweise: WLAN, Z-WAVE, Bluetooth, LTE,…
  • Drahtgebunden sprechen wir von: Profinet, Profibus, Ethercat, LAN, CAN,…

Diese sind heute schon in automatisierten Produktionsbetrieben im Einsatz. Die Entwicklung wird uns aber neue Systeme bringen oder zumindest die Bestehenden so weiter entwickeln, dass größere Datenmengen in Echtzeit übertragen werden können.




Diese Aufrüstung der  Automatisierung der Produktionsstätten hat aber auch Schattenseiten. Eine davon ist die Belastung durch elektromagnetische Felder. Die zusätzlichen Kommunikationswege lassen die Belastung der Arbeitnehmer durch den Funksalate, Elektrosmog, oder wie immer man das auch nennt, enorm ansteigen. Wie hoch die Belastungen da werden können ist bis heute wenig bis gar nicht untersucht und wird sich von Betrieb zu Betrieb massiv unterscheiden. Natürlich ist der Nachweis einer Gesundheitsgefährdung durch elektromagnetische Felder bei langfristiger Exposition der Arbeitnehmer nicht wirklich nachgewiesen. Es ist aber auch nicht nachgeweisen, dass es nicht gesundheitsgefährdend ist. Ein Dilemma, dass gerade die Junge Generation an aufstrebenden Produktionsmitarbeitern enorm gefährdet. Denn eines Wissen wir:

Die Gefährdung steigt mit der Dauer der Exposition!

Arbeitnehmer in der Produktion verbringen 40 Stunden in der Woche im Produktionsumfeld! Das sind 40 Stunden Exposition in grundsätzlich gefährdender Umgebung, und das vielleicht 40 Jahre lang. Vergleichen wir das mit dem Mobiltelefon, welches immer wieder Streitthema bezüglich Gefährdung durch elektromagnetische Felder ist, dann sind dort die Zeiten der Exposition wesentlich niedriger.

Es bleibt damit nur sich der Gefährdung bewusst zu sein und möglichst bei Expostion der Mitarbeiter durch elektromagnetische Felder bei der Planung und Installation zu berücksichtigen. Auf was ist dabei zu achten?

  • Kabel vor Funk: Funksysteme weitgehend vermeiden; Kabelverbindungen vermindern die EMF-Belastungen massiv.
  • richtige Postionierung der Sende- und Empfangseinheiten kann viel an Belastung minimieren.
  • Bei Auswahl der Funktsysteme auf MF-Belastungen achten.
  • Können die Sendeleistungen variiert werden, sollte dies auf das notwendige Minimum reduziert werden.
  • Arbeitsplätze eventuell abschirmen.
  • Verhalten der Arbeitnehmer schulen und auf Gefährdungen hinweisen.
  • Warnschilder, Abschirmungen, Markierungen besonders exponierter Stellen.
  • usw.




Aber auch die Politik ist hier noch gefordert. Die Neue Richtlinie 2013/35/EU ist hier schon ein erster Schritt. Allerdings wird in der Richtlinie nur die unmittelbare und sofortige Wirkung von EM-Feldern hinterfragt und nicht die Langzeitbelastung. Da besteht unbedingter Nachholbedarf!

  • Definition der Grenzwerte für Langzeitbelastungen.
  • Abnahmeprozeduren bei Industrieanlagen müssen die elektromagnetische Belastung mit einbeziehen.
  • Hersteller von Sensorik und technischer Ausrüstung zu Angabe von Daten der EMF-Belastung verpflichten
  • Für Arbeitnehmer – Pausenzeiten in Feldfreien Räumen.
  • Für Arbeitnehmer – Schutzausrüstungen in besonders gefährdeten Umgebungen.
  • Vielleicht Aufnahme des Themas in den Schulstoff (Techniker) -> Das wird aber die nächsten 20 Jahre sicher nicht passieren.
  • uvm.

Nicht das jemand meint, ich bin gegen Autmatisierung oder Industrie 4.0. Ganz im Gegenteil! Wir brauchen das und ich selbst arbeite dabei mit. Ein verantwortungsvoller Umgang, muss aber auch die Gefährdungen berücksichtigen. Ich bin Techniker und damit auch absolut überzeugt, dass sich dieses Thema, wenn man sie ehrlich mitdiskutiert, relativ einfach lösen lässt. Einzig der Wille vieler Unternehmen diese Problem mitzudenken, lässt mich zweifeln. Und ich möchte dann nicht in 30 Jahren von meinen Kindern hören, dass wir sie am Arbeitsplatz krank gemacht haben …

MBe-Arbeitnehmerschutz

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