Kondratieff – Ein Russe erklärt uns vor 100 Jahren die Digitalisierung

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Nikolai Dmitrijewitsch Kondratjew  ist in Russland als Sohn einfacher Bauern geboren. Nachdem  er sich sein Wissen autoditaktisch angeeignet und es bis zum Abitur schaffte,  studierte er an der Universität Sankt Petersburg bis 1915 Jura. In Moskau gründete Kondratjew 1920 das Konjunkturinstitut, wo er an der Ausarbeitung des ersten Fünfjahresplans für die Landwirtschaft in der Sowjetunion beteiligt war. Er plädierte für marktwirtschaftliche Strukturen und wollte die Landwirtschaft erst dann kollektivieren, wenn ausreichende Kapitalien für landwirtschaftliche Großmaschinen verfügbar seien. Im Jahre 1926 veröffentlichte er seine Forschungsergebnisse zu den Langen Wellen in der Konjunktur. Mit seiner Grundthese, dass der Kapitalismus gemäß seinem zyklischen Modell sich nach einer Abschwungphase wieder regenerieren würde, geriet er zusätzlich in Widerspruch zur herrschenden Doktrin, die von einem bevorstehenden, endgültigen Zusammenbruch des marktwirtschaftlich-kapitalistischen Wirtschaftssystems ausging, der damit die Grundlagen einer „Weltrevolution“ schaffen würde. Dies führte 1930 zu seiner Verurteilung zu einer Gefängnisstrafe, die er in Einzelhaft in Susdal verbrachte. (Quelle: www.Wikipedia.de)

Noch heute werden seine Theorien kontroversiell diskutiert. Beinahe 100 Jahre später und 2 Wirtschaftszyklen weiter, scheint sie sich zumindest für diesen Zeitraum irgendwie  zu bestätigen. Wir sehen Wirtschaftszyklen in einem Lauf von 40-50 Jahren seit dem 18. Jhdt und wir befinden uns lt. seiner Theorie im 6. Zyklus.

Interessant dabei ist, dass zu Beginn eines jeden Zyklus ein Engpass vorliegt, welcher hinderlich für die weitere Produktivitätssteigerung und damit die wirtschaftliche Entwicklung ist. Im jeweiligen nachfolgenden Zyklus wird der Engpass aufgelöst und bringt die Wirtschaft in völlig neue Sphären. Die Märkte richten sich neu aus, die neuen Technologien sind disruptiv und fegen teils bestehende Marktteilnehmer hinweg. Völlig neue Berufsbilder entstehen mit all den nachfolgenden Änderungen zum Positiven, aber auch mit Problemen für die Gesellschaft, also dem Zusammenleben der Menschen.

Betrachten wir einmal die Engpässe der Produktivitätssteigerung im jeweiligen Zyklus:

  • 1 Dampfmaschine – Engpass: manuelle Kraft
  • 2 Eisenbahn – Engpass: Transport über weite Strecken, Transportmengen
  • 3 Elektrifizierung – Engpass: Arbeitszeit, Tageszeit
  • 4 Auto – Engpass: Mobilität des Einzelnen
  • 5 Information – Engpass: Daten- und Informationsaustausch
  • 6 ?

Der 6.Zyklus der wahrscheinlich irgendwo um 2010 begonnen haben müsste, ist heute noch nicht bewertbar. Es gibt viele Technologiekandidaten, wie beispielsweise Biotechnologie, Raumfahrt, Gesundheit, Nanotechnologie, usw. Manche meinen auch, Digitalisierung und Industrie 4.0 als die Schlüsseltechnologie zu sehen. Das denke ich aber nicht. Diese neuen Schlagwörter sind nur eine Fortführung des 5.Kontratieff. Man wird dort natürlich Geld verdienen. (Man verdient ja auch heit noch mit Autos Geld!) aber der wirkliche Engpass ist es nicht.

Persönlich sehe ich die Gesundheit“ als den größten Engpass. Und das ist Ganzheitlich zu betrachten! Also die psychosoziale Gesundheit. Dazu gehört alles, was uns unser Leben lebenswerter macht. Der Mensch muss wieder weit mehr in den Vordergrund rücken. Da geht es um die Schulung und die Lehre vom gesunden Leben, um völlig neue Heilmethoden, bis zur „gesunden“ Betriebsmitteln (Autos, Industrieanlagen,..), und zur gesunden Umwelt. Wir möchten auf einem gesunden Planeten leben! Vor 50 Jahren war es noch weniger ein Problem, wenn jemand seinen Müll in den Straßengraben kippte. Man sah es noch als Kavaliersdelikt. Heute, wehrt sich die Gesellschaft dagegen massiv und das ist gut so. Denn es geht auch hier letztlich um die Gesundheit für Mensch und Tier! Wenn man man sich nur die letzten Jahre ansieht, dann ist es schon atemberaubend, welche Unsummen in die Entwicklung neuer Methoden und auch Technologien für den weitläufigen Begriff „Gesundheit“ ausgegeben werden.
             

Doch vielleicht ist auch etwas anderes, etwas abstrakteres der Engpass der die Produktivität hemmt:

das Wissen:

  • Wissen, wie man Wissen kreiert
  • Wissen, wo man Wissen findet
  • Wissen, wie man Wissen misst
  • Wissen, was Wissen wert ist
  • usw.

Die Errungenschaften der Informationstechnologie des 5. Zyklus liefert uns die Möglichkeit in nie dagewesener Menge Daten, also Informationen zu sammeln. Da werden Milliarden an Terrabyte an Information pro Tag gespeichert und schlummern auf großen Serveranlagen oft unstrukturiert vor sich hin. Denn die Daten zu speichern ist das eine, daraus aber Wissen zu kreieren etwas ganz anderes. Es gibt also einen Engpass, welcher die Produktivität durch fehlende Wissensfindung massiv einschränkt. Es fehlt uns dazu einiges an Methodik. Internet-Riesen wir Google, Amazon zeigen schon, dass mit Wissen viel Geld zu verdienen ist. Bei den mittelständischen und kleinen Unternehmen ist das aber noch nicht angekommen. Alleine die Bedarfe und Wünsche seiner Kunden zu erheben, stellt sich für manche Unternehmen als beinahe undurchführbar heraus. Da ist noch sehr, sehr viel Luft nach oben…
                          

Oder es ist die „Energiewende„; Energie für jeden in ausreichendem Maße, Weg von Öl, von Kohle. Mal ein Gedankenspiel. Heute leben ca 7 Milliarden Menschen auf diesem Planeten. Wenn man alle Menschen der Erde in das kleine Land Österreich bringen würde, hätte jeder noch ca. 11 Quadratmeter Platz. Würde man alle Menschen zu einem Würfel übereinander stapeln so hätte dieser eine Seitenlänge von gerade mal 1,2km! Stapelt man alle Ameisen dieser Welt übereinander ist der Würfel größer! Was dieser kleine Menschenhaufen, im Gegensatz zu den Ameisen, aber bisher an Energie verschwendet hat, ist unchristlich, da wird einem schon ein wenig mulmig. Energie bedeutet Wohlstand und Energie braucht jeder. Das große Thema heißt also Energie sparen, und neue regenerative Energiequellen erschließen. Vielleicht ist das der wirtschaftliche Treiber des 6. Kondratieff.

         

Wir befinden uns im Jahr 2017. Wir haben 10 Jahre Wirtschaftskrise hinter uns und eine nicht gerade friedliche Welt. Trotzdem sehen wir heute in vielen Ländern Vollbeschäftigung, die Wirtschaft brummt und Gesellschaften wandeln sich in vielen Teilen der Welt. Der arabische Frühling, das Erstarken der rechten Ideologien in der westlichen Welt,  aber auch politische Umbrüche wie in Frankreich sind untrügliche Zeichen einer massiven Veränderung. Gleichzeitig denken die Menschen anders. Sie blicken mehr und mehr auf Ihre Gesundheit, ihr glückliches Leben und erkennen, dass dies untrennbar mit den Ressourcen und den Reichtümern des Lebens auf diesem Planeten verbunden ist. All dieses andere und neue Denken passt in die Zeitlinie der Kondratieff-Zyklen. Offensichtlich, so könnte man meinen, ist die Wirtschaft und Gesellschaft im Anstieg des 6. Zyklus. Es wird interessant was die Zukunft bringt und wie man in 50Jahren auf diese Zeit  zurückblickt. Wird sich die Theorie von Kondratieff abermals bestätigen?


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