Produktdaten klassifizieren – Wer braucht die Daten in welcher Form?





Hersteller von Produkten haben schon immer einen Weg finden müssen, um technische Daten und Produktbeschreibungen ihren Kunden zuübermitteln.  Jahrzehntelang war dies ein gedruckter Katalog. Dort fand man alle Informationen zum Produkt, die dem Kunden die Auswahl möglich und das Produkt per Telefon oder Post bestellbar machten.

Dann kam das Internet und eine neue Dimension der Datenverteilung kam dazu. Der Download von Datenblättern zu Produkten war eine große Errungenschaft.  Vorläufig aber nur auf den Herstellerseiten. Das WWW baute seine Möglichkeiten weiter aus und Schritt für Schritt starteten Onlineshops von Großhändlern und Händlern. Auch diese mussten die Daten zu den Produkten darstellen, damit die Kunden eine Auswahl treffen konnten. Das brachte die Hersteller wieder zunehmend in Zugzwang. Sie mussten die Produktdaten den Partnern zur Verfügung stellen. Dazu gehören aber nicht mehr nur die Daten alleine, sondern auch digital Asssets wie Bilder und heute auch Videos.

Heute greifen bereits Softwarewerkzeuge (Planungssoftware, 3D-Programme) der Planer, Architekten usw. online auf Produktdaten zu. Sie bedienen sich dabei Plattformen, die die Produktdaten der Hersteller zur Verfügung stellen (z.B. www.ausschreiben.de). Wieder sind die Hersteller gefordert,  diesen Plattformen Zugang zu Ihren Produktdaten zu gewähren.

Ein Hersteller muss heute, um halbwegs im Markt präsent zu, somit eine Vielzahl an Datensenken mit Informationen zu seinen Produkten bedienen:

  • eigener Katalog (gedruckte Kataloge gibt es nach wie vor!)
  • eigener Onlineshop
  • Produktkonfiguratoren
  • Austausch für ERP-Systeme
  • fremde Onlineshops von (Gross)Händlern
  • Plattformen für Produktdaten
  • Ausschreibungstexte für Planer und Architekten

Daten für ERP-System und Webshop

Der Datenaustausch ist überhaupt nur nach einer Standardisierung der Datenstrukturen halbwegs machbar. Der Grosshandel hat dabei eines der größten Probleme. Sie mussten die Daten unterschiedlicher Hersteller von unterschiedlichesten Produkten übernehmen und zur Darstellung in Ihrem Webshop aufbereiten. Eine Megaaufgabe! Also tat man sich branchenweise zusammen und versuchte eine Standardisierung der Produktdaten voranzutreiben. Beispiele dafür sind:

Standard  Branche Bemerkung
 proficl@ss  brachenübergreifend ist eine unabhängige Initiative des Vereins proficl@ss International e.V. zur Klassifikation von Produkten verschiedener Branchen in einem einheitlichen Klassifikationssystem. Ziel von proficl@ss ist die Ermöglichung elektronischen Handels mit diesen Produkten über die Branchengrenzen hinweg. (Textquelle: www.wikipedia.de)
 ECL@ass  brachnenübergreifend  st ein branchenübergreifender Produktdatenstandard für die Klassifizierung und Beschreibung von Produkten und Dienstleistungen mit dem Ziel der Vereinfachung des elektronischen Handels klassifizierter Produkte. Insbesondere die Nutzung von eCl@ss als standardisierte Grundlage für eine Warengruppenstruktur in ERP-Systemen ist weit verbreitet. (Textquelle: www.wikipedia.de)
 BMeCat/ETIM  Elektrotechnik  ist eine Initiative zur Standardisierung des elektronischen Austausches von Produktdaten im Fachbereich Elektrotechnik (Elektroinstallationsprodukte, Haushaltsgeräte und Consumer-Elektronik) und verwandter Branchen (derzeit u. a. HVAC/Sanitärtechnik) zur Ermöglichung des elektronischen Handels dieser Produkte. (Textquelle: www.wikipedia.de)
UNSPSC  brachenübergreifend Der UNSPSC (United Nations Standard Products and Services Code) ist ein international eingesetztes Klassifikationssystem der Warenwirtschaft. Das UNSPSC-System wird im E-Procurement, insbesondere im amerikanischen Raum, zur unternehmensübergreifenden Klassifikation von Waren und Dienstleistungen aller Art verwendet. (Textquelle: www.wikipedia.de)

Hersteller von (technischen) Produkten müssen heute für die Branchen die sie bedinen standardisierte Produktdaten zur Verfügung stellen, damit die Grosshändler und Händler mit eigenem Onlineshops diese dort vernünftig darstellen können. Ohne diesen standardisierten und normierten Datenaustausch ist es für alle schwierig. Derzeit läuft eine weitere Initiative zur Vereinfachung. ETIM und proficl@ss werden momentan mit eCl@ss harmonisiert, so dass alle Klassen, Merkmale und Werte, die in ETIM 5.0 bzw. proficl@ss 5.0 vorhanden sind, ebenfalls in eCl@ss 7.0 zu finden sind.

Massgeblich ist aber, inwieweit der Datenempfänger bestimmte Klassifizierungen überhaupt verarbeiten kann. Es kann durchaus vorkommen, dass ein Größhändler mit ETIM 6.0 arbeitet der andere aber mit ETIM 5.0. Die Datenstrukturen sind dort unterschiedlich! Es kann also notwendig sein, dass der Hersteller nicht nur unterschiedliche Formate sondern auch unterschiedliche Versionen der Klassifizierungsformate zur Verfügung stellen muss. Wie man sieht ist das Thema sehr komplex.

Daten für Portale mit Ausschreibungsdaten

Bildquelle: www.pixabay.com

Ausschreibungen sind besonders im öffentlichen Bereich rein rechltich schon unvermeidbar. Damit die Anbieter auch klar beurkunden können, was sie im Angebot für die ausgeschriebene Leistung an Produkten anbieten, müssen die Produkte beschrieben werden. Dies geschieht in Form von Ausschreibungstexten, die ins Anbot als Leistungsbeschreibung mit eingearbeitet werden.

Heute gibt es dafür Webportale, die eine Vielzahl von Texten zu Produkten anbieten. Die Hersteller stellen die Daten dort zur Verfügung und müssen dafür auch bezahlen (oft mehrere tausend EUR pro Jahr). Auch für die Ausschreibungstexte bedarf es heute nicht einem Datenformat, sondern einer Vielzahl, da unterschiedliche Softwareprodukte bei den Architekten, Baumeistern und Planern diese eben unterschiedlich benötigen. Die Protale für Ausschreibungstexte erstellen die Ausschreibungsdaten aus den gelieferten Daten des Herstellers und stellen diese in den Formaten zum Download zur Verfügung. Dies ist ein Vorteil für den Hersteller, er muss nicht alle Formate selbst erstellen. Die Architekten, Baumeister und Planer holen die Daten dort kostenlos im gewünschten Format ab. Die wichtigsten Datenformate für Ausschreibungen sind:

 Format Beschreibung
   Dateiformat des Textverarbeitungsprogrammes Word von Microsoft
   RTF (Rich Text Format) ist ein Dateiaustauschformat für formatierte Texte
   Dateiformat des Tabellenkalkulationsprogrammes Excel von Microsoft
   PDF (Portable Document Format) ist ein plattformunabhängiges Dateiformat vom Adobe Systems.
   reines Textformat ohne Formatierung
GAEB XML ist ein einheitlicher Standard für den Austausch von Bauinformationen  zur Ausschreibung, Vergabe und Abrechnung bei der Durchführung von Baumaßnahmen. XML ist eine international anerkannten Beschreibungssprache eXtensible MarkupLanguage (XML) um komplexe Datenstrukturen zu übertragen.
 Ist die erste breit ausgerollte Version von GAEB. Praktisch die Vorgängerversion von GAEB XML
DATANORM dient dem Artikel-/Stammdatenaustausch der Lieferanten im Installations- und Bauhandwerk.
   ÖNORM B2063 ist ein Datenaustauschverfahrebn von Leistungsverzeichnissen in Österreich

Daten pflegen, aufbereiten und teilen


Die Hersteller müssen ihre Produktdaten eine genauen und konsequenten Pflege zuführen. Dafür gibt es heute Werkzeuge, sogenannte PIM (product information management) -Systeme, welche für die Pflege , Verwaltung und Verteilung von Produktdaten in verschiedene Ausgabemedien beziehungsweise Vertriebskanälen dienen. Ohne den Einsatz solcher System ist eine funktionierende Produktdatenverteilung nicht mehr möglich. Die Produktdaten werden zentral an einer Stelle gepflegt und für die Ausgabe gezogen. So stellt man sicher , dass alle Ausgabekanäle die richtigen Daten erhalten.

Interessante Hersteller solcher System sind:


Autor

Manfred Brunner – Ingenieur, Digitalisierer, Projektmanager, Querdenker, Technischer Redakteur, Sachverständiger, Heimwerker, Musiker, Familienvater, Mühlviertler  – manfred.brunner@electronic-consulting.at


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