Warum professionelles Anforderungsengineering (=Requirements Engineering) sie erfolgreich macht!

By | Februar 21, 2015

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Die Standish Group untersucht seit 1994 die Erfolgs- und Misserfolgsfaktoren in IT-Projekten. 40 000 Projekte wurden analysiert und glaubt man den Ergebnissen, so zeigt sich ein sich ständig verbesserndes Bild.

1994

  • erfüllten 16% die Projektvorgaben
  • erfüllten 53% der Projekte zumindest teilweise die Vorgaben
  • scheiterten 31% aller Projekte

2011

  • erfüllten 34%  die Projektvorgaben
  • erfüllten 51% der Projekte zumindest teilweise die Vorgaben
  • scheiterten 15% aller Projekte

Quelle: Standish Group / Wikipedia

Organisationen scheinen zu lernen mit den ständig komplexer werdenden Aufgabenstellungen und dazu vergleichsweise kürzeren Durchlaufzeiten besser umgehen zu können. Trotz der Verbesserungen ist das Bild aber keineswegs zufriedenstellend. Die 34% mit maximalem Erfüllungsgrad sind eigentlich ein Armutszeugnis. Da stellt sich die Frage warum schaffen es 66% nicht ein Projekt punktgenau nach Kosten, Aufwand und Zeit ins Ziel zu bekommen?  Was führt zum Misserfolg bzw. zum Scheitern? Die Standish Group nennt 3 Hauptfaktoren:

  • fehlende Zuarbeit durch die Benutzer
  • unvollständige oder unklare Anforderungen
  • häufige Anforderungsänderungen

Wenn man das genauer ansieht, definiert sich der Misserfolg ausschließlich über die  Festlegung und Bearbeitung der Anforderungen. Hier steht nichts über fehlendes oder unzureichendes Fachwissen der Mitarbeiter, nichts über unzureichende Ausrüstungen (Werkzeuge etc.) oder Ressourcenengpässe usw. Auch der erste Punkt der Liste “fehlende Zuarbeit der Benutzer” hat direkt mit den Anforderungen zu tun. Benutzer müssen die Anforderungen definieren, denn nur sie wissen im Detail wie eine Funktion abzulaufen hat. Fehlen diese Eingaben der Benutzer werden einfache Funktionen entweder zu kompliziert oder komplexe Funktionen als zu einfach gesehen und schießen am Ziel vorbei.

Zusätzlich Studien belegen, dass bis zu 60% der Fehler in technischen Projekten bereits bei der Definition der Anforderungen gemacht werden und bei gezielter und professioneller Vorgehensweise zum Großteil auch dort schon vermeidbar bzw. behebbar sind. Findet man in dieser Phase die gröbsten Fehler ist dies auch eine wesentliche Kostenersparnis. Je später in einem Entwicklungsprozess Fehler zu korrigieren sind, um so kostspielieger wird es. Und diese Kurve “Zeitpunkt des Auffindens eines Fehlers zu den Kosten seiner Korrektur” steigt exponentiell mit dem Projektfortschritt! Es ist einfach ein Unterscheid, ob eine Anforderung in 5min in einem Lastenheft umgeschrieben werden muss,  oder ob aufgrund des Fehlers eine Funktion neu geschrieben werden muss, oder der Supergau eintritt und Produktserien aus dem Feld für die Korrektur ins Werk geholt werden müssen.

Na das klingt ja alles super und ganz klar: Wir brauchen ein professionelles Anforderungsengineering und sind alle Sorgen los! Stimmt, doch seien sie sich im Klaren, wenn sie sich bis heute damit nicht beschäftigt haben und sie das ändern möchten, dann haben sie eine große Aufgabe vor sich. Das geht nicht von heute auf morgen, auch nicht mit professioneller Hilfe. Professionelles Anforderungsengineering bedeutet ein Umdenken im Unternehmen über fast alle Funktionsbereiche hinweg. Es ist ein Veränderungsprojekt, welches sie zu starten haben und über Monate, Jahre ja vielleicht nie zu Abschluss bringen. Sie müssen Prozesse neu organisieren und die Art zu Denken in die Köpfe Ihrer Mitarbeiter bringen. Sie müssen es schaffen, dass die Stakeholder (= Teilhaber, Menschen die bei der Erstellung der Anforderungen mitarbeiten) sich ihrer Verantwortung wirklich bewusst sind. Das Alles braucht Zeit, Konsequenz und vor allem den Willen und die Überzeugung des Managements!