Gerichtliche und private Gutachten- Wie erkennen Sie die Qualität eines Gutachtens?

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Gutachten sind ein erprobtes und übliches Mittel um in Streitfällen Entscheidungsträgern und, falls der Fall schon gerichtsanhängig ist, Richtern die Möglichkeit zu geben eine Gegeb

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enheit, einen Sachverhalt, einen Zustand eines Systems oder Gerätes, das Verhalten von Menschen, den Wert von Besitz und Liegenschaften uvm. zu erfassen und darauf basierend ihre Entscheidungen zu treffen.

Gutachten gibt es auf zivilrechtlichen, verwaltungsrechtlichen und strafrechtlichen Bereich. Wichtig ist dabei, dass Gutachten grundsätzlich nur ein Beweismittel sind und niemand daran gebunden ist, diesem Beweismittel zu folgen. Es ist nur ein Teil einer Gesamtpalette von Beweisen, Zeugenaussausagen usw. dem Grundsätzlich nicht mehr an Gewicht zufällt. Trotzdem ist es oft so, dass Entscheidungen und Urteile den Inhalten und Feststellungen des Gutachtens folgen. Dies hat insbesondere damit zu tun, dass die Inhalte meist sehr komplex sind und die Fähigkeit zur Bewertung den Entscheidern nur marginal zur Vergügung steht und damit die Fachkompetenz des Gutachters entscheidend wirkt.

Damit erhält das Gutachten doch hohen Stellenwert und es ist unumgänglich auch die Qualität der Inhalte, die Richtigkeit der fachlichen Ausführung  erkennen zu können.

Doch wie kann man das? Wie kann man erkennen, dass ein Gutachten hohe Qualität hat und mit gutem Gewissen als Basis zur Entscheidung herangezogen werden kann?

Dabei gibt es 3 wesentliche Elemente eines Gutachtens, die man sich ansehen sollte:

  • den Auftragsinhalt
  • die verwendet Sprache, die Art der Beschreibung
  • Aufbau und Struktur des Gutachtens

Der Auftragsinhalt

Jedes Gutachten folgt einem Auftrag. Die Beschreibung des Auftrags soll im Gutachten auch auffindbar sein. In diesem Auftrag sollen die Fragen klar und unmissverständlich formuliert sein, die das Gutachten zu beantworten hat. Ist der Auftrag schon unklar oder lässt die Fragestellung viel an Interpretationsspielraum zu , so ist auch zu erwarten, dass das Gutachten nicht treffsicher sein kann.

Die verwendete Sprache im Gutachten

Ein Gutachten dient dazu Laien eines Fachgebietes einen Sachverhalt verständlich zu machen und Fragen zu beantworten, so dass diese die Möglichkeit bekommen, ihre Entscheidung zu treffen. Bei Gericht braucht man Gutachter dazu um den Richter bei seiner Arbeit zu unterstützen. Dem Gutachter kommt also viel an Verantwortung zu. Wenn man ein gutes Gutachten liest, so sollte man den Inhalt verstehen und nicht 3 Lexika brauchen, um den Inhalt wenigstens  zu erahnen.

Und das bedeutet:

  • Fachwörter und Begriffe nur dann verwenden, wenn dies unumgänglich ist
  • werden Fachwörter und Begriffe verwendet, so sind diese in einem Glossar zu beschreiben
  • einfache Sprache, wenn möglich in Sätzen nur aus Subjekt, Prädikat und maximal 2 Objekte
  • keine Passivkonstruktionen, lange Sätze und Satzverschachtelungen
  • Wortwiederholungen sind erlaubt! (Regler regeln und Steuerungen steuern)

Es geht hier nicht darum ein literarisches Werk zu verfassen, sondern eine Fragestellung einfach und verständlich zu beantworten! Einfache Sprache ist hier ein muss.

 Aufbau und Struktur

Ein Gutachten sollte einer gewissen Form folgen. Natürlich kann es von Fall zu Fall Abweichungen geben, aber im wesentlichen müssen immer gewisse Strukturen und Abfolgen eingehalten werden. Im gerichtlichen Bereich hat sich folgende Form bewährt:

  1. Auftragsinhalt: Beschreibung des Auftrages; Welche Fragen soll das Gutachten beantworten?
  2. Befund: Beschreibung der Befundaufnahme; Befragungen; verwendete Messmittel, Messwerte, Prüfergebnisse,…
  3. Gutachten: Interpretation des Befundes; Schlüsse aus dem Befund und Beantwortung der Fragen aus dem Auftrag mit Begründung, warum die Frage so beantwortet wurde
  4. Zusammenfassung: Beantwortung der Fragen aus Punkt 3 kurz und prägnant, ohne Begründung
  5. Hinweise auf weiterführende Gutachten: insbesondere dann wenn der Auftrag nicht vollinhaltlich erfüllt werden konnte oder der Sachverhalt aus Sicht des Gutachters zusätzlicher Klärungen bedarf
  6. Unterschrift des Gutachters
  7. Glossar
  8. Literaturliste (optional)
  9. Anhang (optional)

Finden Sie bei einem Gutachten diese Struktur vor, so können Sie doch in hohem Masse annehmen, dass sie ein Gutachten guter Qualität in der Hand haben und die Inhalte dem tatsächlichen Sachverhalt entsprechen. Diese Struktur in Privatgutachten zu verwenden ist nicht verboten. Wenn Sie ein Gutachten beauftragen möchten, fordern sie vom Gutachter diesen Aufbau. Vielleicht zeigt ihnen ein Gutachter auch, wie er seine Gutachten aufbaut, dann können Sie schon sehen wie er arbeitet.Auch ein Gutachten ist eine Dienstleistung – man darf seine Wünsche deklarieren und eine gewisse Form und Qualität verlangen. Das heißt aber nicht, dass man sich den Inhalt bzw. das Ergebnis wünschen darf.  Gutachter sind der Wahrheit verpflichtet und die kann einem auch einmal nicht gefallen. Dafür kann der Gutachter nichts.

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