TECHNIK: Das Web of Things

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Das Internet der Dinge oder auch Web of Things hat in den letzten Jahren in seiner technologischen Entwicklung immer mehr Fahrt aufgenommen. Hunderte von Unternehmen bieten Geräte an, die über das Internet kommunizieren und Lösungen, die smarte Heizungssysteme oder smarte Lichtsteuersysteme im Raum, Haus, Straße oder einer ganzen Stadt liefern. Es bleibt aber trotzdem ein großes Problem. Die Geräte der einzelnen Hersteller können zwar untereinander Daten austauschen, aber nicht oder nur schwer mit den Geräten anderer Hersteller. Sie verstehen sich nicht, weil die Hersteller proprietäre Datenstrukturen verwenden. Jeder optimiert für seine Anwendung ohne Rücksicht auf die übergeordnete Infrastrukturen. Jetzt gibt es aber eine neue Initiative diese Barrieren der Interoperabilität zu beenden …

Das Internet ist ein Medium zum Bereitstellen und Finden von Informationen von und für Menschen. Das war einmal. Längst liefern Sensoren, ausgestattet mit internetfähigen Kommunikationsfunktionen Daten ins World Wide Web und Maschinen oder Geräte nutzen diese. Geräte tauschen untereinander Daten aus und können diese verwerten, völlig unabhängig von Menschen. Diese entscheidenden Schritte für ein Web of Things sind eigentlich schon gemacht und in hunderten ja tausenden von Anwendungen erprobt. Es funktioniert.

Ein paar Beispiele gefällig?

ekey biometric systems

ekey entwickelt und vertreibt Produkte für physische Zutrittskontrolle. Personen werden vor Zutritt mittels biometrischer Verfahren identifiziert und auf Basis ihrer Rechte werden Türen und Tore geöffnet, um Zutritt zu Häusern, Wohnungen, Unternehmen zu erlauben. ekey hat mit seinem Produkt ekey bionyx ein webbasierendes Zutrittskontrollsystem geschaffen. Die biometrischen Erfassungseinheiten (Fingerabdruckleser) sind über das Internet verbunden. Es sind WoT-Geräte! Mehr…

Homematic

Das leistbare intelligente Haus für Jedermann, ob bei Neubau oder zum Nachrüsten. Homematic IP ist ein webbasierendes System, welches manuell steuerbare und automatisierte vernetzte Funktionen für Heizung, Licht, Sicherheit, Zutritt und Beschattung über Web-Funktionen erlaubt. Das System wird über einen zentralen Cloud-Service administriert. Alle Geräte haben über einen Kommunikationshub über Internet Verbindung zum zentralen Cloud-Service. Es sind WoT-Geräte. Mehr…

T-Matix

Ist ein Unternehmen, das anderen Unternehmen unterstützt, ihre Services mittels Web of Things-Anwendungen zu revolutionieren. Dabei liefert man mit einer konfigurierbaren Cloud-Plattform samt einem Tool für die Erstellung von Smartphone Apps für die Verwaltung und auch Geräte und Sensoren mit WoT-Funktion. Kunden aus der Bauindustrie nutzen dieses System genauso wie Energieerzeuger. Es scheint sich ein breites, industrielles Anwendungsfeld zu eröffnen. Mehr…

Amazon

steht hier als Synonym für weitere Hyperscaler, wie Google, Microsoft, die auch WoT-Geräte anbieten. Alle betrieben auch große Cloud-Service- Plattformen die mittlerweile von vielen Big-Playern genutzt werden. Amazon beispielsweise mit seiner AWS-Cloud und dem Sprachassistenten “Alexa”. Azure ist die Cloud Service Plattform von Microsoft und mit dem WoT-Produkt Microsoft Sphere bietet man eine entsprechende Lösung, um sichere WoT-Sensoren und WoT-Geräte zu bauen.

Die 4 Beispiele zeigen einen Querschnitt, wie Unternehmen über Branchen und Anwnedungsfelder hinweg die neuen Datenaustauschmöglichketen über das Internet nutzen. Die Infrastruktur des WWW ist mittlerweile so zuverlässig, performant, und geographisch, wie gesellschaftlich durchdringend, dass solche Anwendungen, über organisatorische und lokale Grenzen hinweg möglich sind, ja zur neuen Normalität werden.

Eines bleibt aber dabei noch ein Problem. Die unterschiedlichen “Sprache” der Geräte! Was ich damit meine, ist, dass jeder Hersteller von WoT-Geräten quasi seine eigene Sprache entwickelt, damit sich seine Geräte untereinander verstehen. Rücksicht auf fremde Systeme, um auch mit diesen Informationen austauschen zu können, wurde wenig genommen. So funktionieren die oben genannten Systeme innerhalb ihrer Dateninfrastruktur gut, will man aber z.B. ekey mit einem Sprachassistenten verknüpfen, wird es schwierig, bzw. ist es unmöglich, solange nicht ekey seinen Geräten diese Möglichkeit, also die Sprache von Amazon Alexa auch erlaubt zu “sprechen” (Was übrigens Anfang 2022 auch verfügbar sein wird).

Aber keine Sorge, genau am Ausräumen der Sprachbarrieren zwischen WoT-Geräten wird intensiv gearbeitet. Mehrere Projekte beschäftigen sich damit, um hier eine Vereinfachung eine Erleichterung beim system- und herstellerübergreifenden Datenaustausch hinzubekommen. Standardisierung, wenn möglich global, über Länder und Wirtschaftsräume hinweg, lautet das Gebot der Stunde und das wird viele neue Geschäftsmodelle ermöglichen.

Das W3C-Konsortium bietet dazu die ersten wichtigen Festlegungen. Sie können insbesondere zum Thema WoT hier schon einiges sehen. In Deutschland sind die Projekte Sense und Foresight als Treiber der Entwicklung und Standardisierung eines ubiquitären Datenaustauschformates im Web of Things zu beachten. Beide Projekte sind dabei mit den Festlegungen des W3C-Konsortiums im Einklang:

Sense (semantisches, interoberables Smart Home)

Das Projekt SENSE begreift das Gebäude mit allen Elementen als Teil des Smart Living. Ziel von SENSE ist es, alle technischen Gewerke untereinander zu vernetzen und durch Standardisierung technische Lösungen einfacher erstellbar zu machen und gleichzeitig den Nutzer einfachste Administration und Bedienungsmöglichkeiten zu bieten. Leitidee ist: Das „Gebäude als Service“. Die Ergebnisse dieses Projektes sind in den Normierungen des W3C auch enthalten. Somit schafft man eine allgemeingültige Sprache für eine herstellerübergreifende Infrastruktur für den Datenaustausch im WWW.

Foresight ( Künstliche Intelligenz für Smart Living)

ForeSight ist eine auf dem Projekt SENSE aufbauende Plattform für Smart-Living-Services, welches von 17 Konsortialpartnern und über 50 Assozierten Partnern bearbeitet wird. Darin findet sich das Who ist Who der deutschen Smart-Home Szene (Siehe hier: Partner). Das Projekt bringt die Stakeholder, wie die Wohnungswirtschaft, Technologieanbieter für Gebäude, Verbände und Wissenschaft zusammen, um gemeinsame Lösungen mittels KI-Methoden zu erproben und später auch anzubieten. Ziel ist die Menschen im Alltag zu unterstützen und die eigenen vier Wände sicherer, energieeffizienter, nachhaltiger und komfortabler zu machen.

Die Systeme wachsen immer mehr zusammen und es muss jedem Technologieanbieter klar sein, dass er sich diesen neuen Infrastrukturen widmen muss. Er muss Teil dieser Systeme, des WEB OF THINGS sein, sonst wird er langfristig nicht überleben können. Der zukünftige, wirtschaftliche Erfolg liegt in der digitalen, webbasierenden Interoperabilität!


Dipl.-HTL- Ing. Manfred Brunner ist Geschäftsführer von MBe-consulting e.U. einem Ingenieurbüro Für Digitalisierung, welches Unternehmen beim technischen und organisatorischen Transfer ins digitale Zeitalter unterstützt. Es geht dabei um Statusanalysen (digitaler Reifegrad), Requirements-engineering, Technologieanalysen, Geschäftsmodellierung und Fördermanagement, sowie um Beratung und Management bei der Implementierung von digitalen Lösungen. KONTAKT


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